Auslandsblog.de - Kostenlose Blogs für Abenteurer

Peking Teil 2

Nach dem genialen Tag in der verbotenen Stadt sollte es an Tag 3 an die Mauer gehen. Dafür hatte ich mir einen Busbahnhof raus gesucht: Dongzhimen. Um 5 Uhr stand ich also auf, damit ich um halb 6 die Metro zur Bushaltestelle nehmen konnte. Leider verpasste ich sie um eine Minute - oder besser gesagt zum Glück. Die nächste kam erst 8 Minuten später, daher schaute ich den genauen und schnellsten Weg nochmal nach (man sieht auf Maps.me auch die verschiedenen Ausgänge der Metro)... 

Kurz zur Info: Mit meinem brasilianischen Zimmerkollegen hatte ich mich bezüglich der Mauer ausgetauscht, er hatte Donshengmen bei sich auf dem Zettel stehen. So hatte ich es auch irgendwo anders gefunden. In dem Moment realisierte ich erst: Dongzhimen ist tatsächlich ungleich Donshengmen, das ist nicht bloß der Unterschied zwischen Englisch und Portugiesisch. Ich wäre also in die falsche Richtung gefahren. So hatte ich bloß eine halbe Stunde Zeit verloren und war schließlich um halb 7 in Donshengmen auf dem Weg zur Mauer - wieder einmal Glück im Unglück...

Um 8 Uhr war ich also in Badaling an der Mauer. Der Streckenabschnitt, insbesondere der nördliche Bereich zwischen Turm 1 und 8, ist scheinbar der bekannteste und beliebteste unter den Chinesen. Das war auch der Grund, weshalb sich die ganzen Menschen hier drängten (davon über 99,9% Chinesen). Das Interssante: im Südteil (7 Tower) und zwischen Tower 8-12 im Nordteil war ich teilweise der Einzige auf dem Streckenabschnitt. 

Auch wenn dieser Bereich der wohl am besten restaurierte und am einfachsten zu begehende Teil der Mauer ist, war die Begehung wirklich herausfordernd - einen großen Respekt insbesondere an die ganzen alten Menschen, die auf ihr liefen! Die Landschaft und das Gelände waren trotz leichten Nebels wirklich traumhaft und eines meiner Highlights auf der Tour bisher! Ebenfalls beeindruckend, wie und in welch unwegsamen Gelände die Mauer gebaut wurde! 

Nach knapp 3 Stunden auf der Mauer ging es mit einem weiteren Bus ging es zur Festung Juyongguan, die aufgrund der strategischen Lage (inkl. Wassertor) und ihrer Uneinnehmbarkeit von herausragender militärischer Bedeutung war. Den Westteil der Festung konnte und wollte ich aufgrund der zahlreichen Stufen und aufgrund der Zeit nur teilweise besteigen. Für alles hätte man wohl einen halben Tag gebraucht... Witzig, dass hier im Gegensatz zu Badaling etwa Dreiviertel der Touristen aus anderen Ländern der Welt stammten, um die Herausforderung des Treppenaufstiegs anzunehmen (und natürlich viel weniger Menschen). Die Temperatur war den ganzen Tag über mit 10-20 Grad optimal fürs Treppensteigen... 

Als nächstes wollte ich ins Tal der 13 Ming Gräber und zur Geisterstraße, deren Statuen das Tal vor Geistern etc. schützen sollen. Neben den Drachen, die überall im Land zu finden sind und böse Geister vertreiben, waren hier auch verschiedene Tiere und Soldaten, die die Gräber schützen sollen. Sehr schön, zumal ich fast alleine auf der Straße war - allerdings fand ich die Ming-Statuen in Nanjing irgendwie noch schöner. Von den 13 Gräbern sind zwei für die Öffentlichkeit "geöffnet". Das kann man sich allerdings sparen, da die Gräber im Berg eingebuddelt und der Bereich weitläufig abgesperrt ist. Dadurch hatte der Bereich eher etwas von einem schlichten Tempel. Die 3-4 Stunden hätte ich mir definitiv sparen können, aber so läuft es manchmal eben... Aufgrund von Verschleißerscheinungen am Knie durch die vielen Treppen (in Nanjing ging es eigentlich schon los) war es dennoch besser, dass ich nicht noch länger auf der Festung war... Außerderdem hatte ich mir für den letzten halben Tag in Peking noch einiges vorgenommen!

Um 5 Uhr ging es heute wieder aus den Federn, damit ich um 6 am Tian'men Platz sein und um 7 Uhr Mao ansehen konnte. Durch die ganzen Absperrungen, Sicherheitskontrollen und unnötigen Umwege dauert alles um den Tian'men Platz etwas länger... Um 6 Uhr waren schon riesige Menschenmassen da - allerdings nicht als Schlange vor dem Mausoleum. Tausende Kameras filmten irgendetwas. Musik ertönte. Wie sich herausstellte, wird jeden Tag die Nationalflagge zu einer anderen Uhrzeit (1-2 Minuten verschoben) gehisst. Ein riesen Spektakel... Danach strömen alle ein paar Meter weiter, um Mao zu sehen. Die Kamera muss man für das Mausoleum übrigens vorher abgeben, da Fotos verboten sind. Das Handy darf man allerdings mit rein nehmen. So ein Unsinn... Eine Stunde später ging das Geschiebe los. Stehen bleiben ist verboten, ebenso wir das Tragen von Flipflops, Hüten, Sonnenbrille und schulterfreien Klamotten. Stehenbleiben ist lediglich erlaubt, wenn man weiße Blumen als Gedenken kauft. Nach 2-3 Minuten war ich mit dem Durchgehen fertig. Die Halle scheint von außen riesig, die Menschen trauern stets im Vorbeigehen und Mao wirkt unter der Glasscheibe... Sehr wächsern... Sei's drum, es war definitiv eine interessante Erfahrung. Danach wollte ich zum riesigen Nationalmuseum und zur großen Halle des Volkes, die direkt daneben lagen. Ersteres war seit 3 Tagen wegen einer Sonderausstellung auf unbestimmte Zeit geschlossen. Letzteres war ohne mir erkenntlich Begründung ebenfalls geschlossen. Schade, das wären nochmal Highlights gewesen... 

Auf der anderen Seite konnte ich so in den Sun Yat-Sen Park direkt an der verbotenen Stadt und in den Lama Temple. Lama steht hier übrigens nicht für das Tier, sondern den religiösen (Dalai) Lama. Früher hatten der 5. und 6. Dalai Lama gute Beziehung zur Regierung. Müde begab ich mich nochmal zum Hostel und dann Richtung Bahnhof. Jetzt geht es gerade nach Xi'an.

Kurzes Verworrenes aus der Rubrik Sonstiges: da die meisten Städte Millionenstädte sind, gibt es auch mehrere Bahnhöfe (oft 3-5 verschiedene Hauptbahnhöfe in verschiedenen Richtungen). Heute habe ich den ersten Kaffe seit etwa 10 Tagen getrunken. Starbucks ist zwar recht teuer, aber was die anderen Kaffeeketten sich an Preisen erlauben, ist eine Frechheit. Was sonst? Die Leute setzen sich zum Ausruhen (vom ganzen laufen und Stehen) selten auf Stufen oder auf den Boden, sondern nehmen zur Entspannung eher ihre Kloposition ein (vorausgesetzt es gibt keine Stühle oder Bänke). Apropos Klo. Es gibt sehr moderne und saubere öffentliche Toiletten, in anderen gibt es wiederum nur die klassischen Toiletten, die lediglich an der Seite von einer kleinen Schamwand an der Seite von den anderen getrennt sind. Man sieht seine Mitmenschen also bei ihrem Geschäft, wenn man entweder steht oder vorne an ihnen vorbei läuft... Zuguterletzt das Thema Rohstoffe. Es gibt hier zwar kein Pfandsystem wie bei uns, aber Rohstoffe in Form von Pappe und Plastik scheinen bei armen Menschen dennoch begehrt. Beides wird oft aus den Mülleimer gesammelt. Das ist insbesondere für die Umwelt sinnvoll, da die Mülleimer zwar nach "recyclingfähig" und "nicht-recyclingfähig" aufgestellt werden, die meisten trotz der Bilder jedoch nicht den Unterschied zu kennen scheinen...

Weiteres gibt's dann die Tage aus Xi'an!