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Nanjing - und China

3 Tage bei der ersten Station sind rum und morgen geht's weiter nach Hangzhou. Zeit also für eine Zwischen-Summary. Zuerst aber einmal zum heutigen Tag. Der eine Kollege von gestern hatte sich heute morgen tatsächlich den Wecker sehr früh gestellt und er war fest entschlossen, mich heute zu begleiten. Na schön, dann also zu zweit! 

Zunächst ging es in die "Memorial Hall for compatriots killed in the Nanjing Maas acre by Japanese Forces of Aggression" - eine riesige Gedenkstätte. Mir war tatsächlich während des gesamten Aufenthalts nicht nach Fotos zumute, erst gegen Ende, als es später allgemeiner um die Japanische, Deutsche, und Italienische Rolle im 2. Weltkrieg ging wurde es etwas besser... Dass die Chinesen alle Statuen anfassen und wie selbstverständlich Fotos und Selfies machen empfand ich in dem Rahmen sehr befremdlich...

Weiter ging es zum Zifeng-Tower. Laut Internet und Reiseführer kann man bis zu 270m hochfahren und zahlt umgerechnet 10€. Vor Ort konnte man allerdings kostenlos bis 380m hochfahren. Allerdings war es so neblig (oder versmokt?), dass man sich über die 10€ geärgert hätte. Nach einer Runde Hotpot verabschiedete sich meine geduldige Begleitung. Nach der Mittagspause gings zum Gate of China inkl. Stadtmauer und danach ins Viertel Fuzimao. Das Viertel war heute mein Highlight und hatte ich weder im Internet, noch auf dem Reiseführer auf dem Schirm - wieder war eine Zufallsbegegnung ein Highlight. Verrückt.

Was gibt es also zu Nanjing abschließend zu sagen? Meine Highlights Fuzimao, den Schrein und den See am Purpurberge waren nirgends als Highlights verzeichnet und dennoch eine Bereicherung. Das Memorial und die Ming-Grabstatuen waren auch sehr beeindruckend. Insgesamt haben mich wohl jedoch die vielen Gärten und die Architektur in den Parks in Nanjing am meisten fasziniert. Die wird es in vielen Städten Chinas aber sicher auch geben, weshalb ein Besuch in Nanjing für Touristen nicht unbedingt ganz oben auf der Bucketliste stehen muss.

Kommen wir zur Rubrik weiteres:

E-Sports zocken und vor allem anderen beim zocken zusehen ist in China super beliebt, das kann man sich kaum vorstellen. Die öffentlichen Verkehrsmittel im Stadtverkehr sind extrem günstig (Fahrten 0.25-0.40€) und dennoch gibt es natürlich viel Verkehr. Plastikmüll wird überall in Unmengen produziert. Wenn ein Land wie China so mit den Ressourcen umgeht, dann sehe ich für die Zukunft nichts Gutes... Ich bin nicht sicher, ob ich in Nanjing Smog oder eher viel Nebel sehen konnte - ich tendiere zu Nebel. Deutsche Technik und Qualität wird von den Chinesen sehr geschätzt. Die generelle Wertschätzung gegenüber Deutschen ist hoch. 

Allerdings beschlich mich heute entweder ein Gefühl von Demut oder aber sogar ein Gefühl von Bedrückung/Hilflosigkeit vor der Großmacht China. Ein Binnenmarkt von 1.4 Milliarden Menschen unter polizeilicher Kontrolle und politisch kluger Führung wird die Welt in nicht allzu ferner Zukunft stark prägen. Sei es in der Autoindustrie oder anderen Wirtschaftszweigen. China ist unabhängig vom Rest der Welt - mit Unterstützung der Regierung werden Themen wie Naturschutz und Menschenrechte clever moderiert und im Sinne des Landes umgesetzt. Chinesen reisen in alle Teile der Welt, um zu lernen. Wer reist nach China, um zu lernen? Viele Menschen helfen viel, selbst wenn der einzelne nicht das Maß aller Dinge ist. Das Kollektiv steht über dem Individuum. Die chinesische Geschichte und Kultur gehört zu den ältesten der Welt. Darauf sind sie zurecht stolz. Trotz eines gewaltigen Rückstands holt China in rasantem Tempo auf - durch Kapitalismus und Kontrolle. China kopiert nicht nur, sie sind einfach clever - und bescheiden. Wie sich China in Zukunft entwickelt bleibt abzuwarten. Demut ist mit Sicherheit angebracht. Ich bin gespannt, wie die nächsten Städte werden ;-)