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Luoyang und Songshan

Ursprünglich wollte ich gestern Abend etwas schreiben, bin allerdings mit meinen Hostel-Mitbewohnern bei Hotpot, Bier und sonstigen Getränken versackt. Nach einem ausgiebigen Frühstück nun also ein paar Worte zu den letzten Tagen... 

Ankunft im Hostel war Dienstag gegen Mittag. Einen Spind für den Rucksack gab es nicht und das Hostel erinnerte mich etwas an die erste Unterkunft in Nanjing. Es handelte sich um eine Privatwohnung im 8. Stock mit 3 Schlafzimmern und einem Wohnzimmer/Küche. Ich schlief mit 20 anderen im Wohnzimmer (die meisten in Hochbetten, einige im Zelt). In den restlichen Schlafzimmern waren nochmal je 4-8 Betten. Der Hauptjob des Gastgebers ist Vermieter und es gab auch keinen Schlüssel für uns - die Begründung: er ist immer da und geht nicht raus. Außerdem stand die Wohnungstür ohnehin immer offen. Die Kombination aus 30-40 wechselnden Gäste, Wohnungstür offen und kein Spind ist natürlich genial...

Jedenfalls nahm ich wieder meine wichtigsten Sachen mit und nahm einen Bummelbus zur Longmen-Grotte. 1.5 Yuan für 13km und 1 Stunde Fahrt. Ich war nachmittags da und dementsprechend voll war es (da ja auch national Week ist). Die zahlreichen in Stein gemeißelten Pagoden und Buddha-Statuen waren beeindruckend - zumindest für mich. Die zahlreichen Kinder haben sich eher geangweilt und konnten ohnehin bei den Menschenmassen nichts sehen. Viele sind auch einfach zwischendurch auf den Armen der Eltern eingeschlafen. Ich kann es ihnen nicht verübeln, da es nur sehr schleppend vorrangig und die Statuen hätten mich früher auch weniger interessiert. Bilder der Grotte gibt's dann in einer Woche ;-) Zurück im Hostel gönnte ich mir eine Dusche. Es gab auch einen Fön... Als ich ihn benutzen wollte schlug dieser jedoch Flammen. Daher schaltete ich ihn lieber wieder aus, bevor etwas passierte... Danach gönnte ich mir ein gutes Abendessen. Es sah nach Fleisch mit Reis aus. Ich weiß zwar nicht genau was es war, aber anhand der Schilderung müssen es irgendwelche Schweineinnereien in der Bauchregion gewesen sein. Wobei es ziemlich knorpelig war... Vertragen hab ich es jedenfalls, auch wenn es sicherlich kein Highlight war.

Am Tag drauf ging es Richtung Shaolin-Kloster. Die Frau am Ticketschalter hatte mir am Vortag 5:15 aufgeschrieben. Also war ich um kurz nach 5 da. Tatsächlich saßen auch schon einige Menschen im Bus. Abfahrt war dann irgendwann um kurz nach 6 Uhr, als der Bus endlich voll war. Mein Eindruck des Shaolin-Tempels ist eher negativ, da die ganzen Mönche (zumindest waren sie so verkleidet) scheinbar den ganzen Tag nur Sachen verkaufen. Die shaolin-schule konnte man aufgrund der Vielzahl an Besuchern nicht besichtigen und für die shaolin-show (30 Minuten) standen schon so viele Menschen eine Stunde vor Einlass an, dass ich mich dagegen entschied. Ein paar Meter weiter befand sich der Pagodenwald, der für mich das tatsächliche Highlight der Umgebung war. Und natürlich der anschließende Wanderweg nach Dengfeng entlang der Klippen über den Songshan (Teil 1 des Berges). Mit Didi ging es dann zu dem Hostel, das mir Carla empfohlen hatte. Dort traf ich Yilmaz, einen Hannoveraner der gerade eine Bachelor-Master Gap-year macht. Er schilderte mir etwas von seinen Reiseerfahrungen in anderen asiatischen Ländern und sagte, in China sei alles wegen der Regeln, Entfernungen, Sprache, Zugtickets und Hostels etwas komplizierter. Dennoch gebe es viel zu sehen. Da möchte ich mal nicht widersprechen...

Ich wollte gerade zum Abendessen, da fing mich der Hostelmanager ab. Es wurde gegrillt und Hotpot gegessen und wir Gäste seien herzlich eingeladen. Das Angebot nahm ich gerne an ;-) es gab mehr als ausreichend zu essen und ständig wurden wir zum Trinken aufgemuntert - es gab deutsches Bier und chinesischen Wodka (sehr süffig und mild trotz 42% Alkohol). Gestärkt rundeten wir den Abend mit ein paar Karaoke-Einlagen ab! Endlich mal Karaoke! 

Am Tag drauf wollte ich den anderen Teil des Songshan-Bergs besteigen (den mit dem Gipfel und ohne Gondeln). Morgens ging es also los. Unterwegs wollte ich etwas frühstücken, allerdings ging ich die Hauptstraße entlang. Naja, ich hatte ja noch 2-3 Kilometer bis ich am Berg war. Plötzlich sah ich eine wandergruppe Richtung Berg gehen. Zur Info: Es gibt mehrere Möglichkeiten den Berg zu besteigen. Ich verwarf also meinen Plan und ging spontan mit der Gruppe. 

Der Weg war dieses Mal anders. Es ging durch Gestrüpp und es gab keine Eintrittskontrolle. Der Weg war natürlich, aber vermüllter. Nach ein paar hundert Metern waren wir bei Felsen angekommen. Ob da der Weg hoch ging? Tatsächlich gingen viele Menschen den Berg hoch. Maps.Me zeigte mir an, dass ich abseits der Wege war... Essen und Trinken unterwegs? Fehlanzeige. Der erste Tag ohne Frühstück und dann auch noch Klippen steigen. Allerdings war ich froh, dass es dieses Mal zur Abwechslung keine Treppen gab. Ich stieg also den Berg hoch und hoffte, dass ich bald einen Weg finden würde. Die reisegruppe ließ ich hinter mir und orientierte mich am Plastikmüll. Leute hatten es also so weit geschafft? Dann musste es auch weiter hoch gehen. Runter klettern war (zumindest für mich) unmöglich und so hoffte ich, bald auf einen normalen Weg zu stoßen. Zahlreiche Höhenmeter und eine Stunde später legte ich eine Pause ein. Nicht so clever, denn langsam wurde mir etwas schwummerig. Ich hoffte die ganze Zeit, nicht den Weg wieder absteigen zu müssen... Nach anderthalb Stunden erreichte ich endlich den normalen Weg. Ziemlich erschöpft hoffte ich auf etwas zu essen und zu trinken. Ich lief weiter, konnte aber nichts finden. Es kamen mir auch keine Touristen entgegen. Dabei war es schon 9 Uhr. Vermutlich weil es keine Gondel gab. Ich lief weiter in Richtung Gipfel. Und dann, plötzlich, kam mir yilmaz mit einem Freund entgegen. Er war um 5 Uhr aufgestanden und gerade beim Abstieg. Ich bekam seinen Rest Wasser und ein paar kekse - die Rettung! Es war bloß noch eine knappe Stunde zum Gipfel. Von nun an konnte nichts mehr passieren. Ab jetzt gab es unterwegs auch wieder ausreichend zu essen und zu trinken.

Auf- und Abstieg waren wieder sehr schön und anstrengend. Man traf viel weniger Leute und es war wesentlich ruhiger. Letztendlich ein friedlicher Tag. Nachmittags ging es mit dem Bus dann nach Luoyang ins Hostel zurück. Gerade als ich zum Essen wollte hielt mich der Hostel-Besitzer zurück. Es gab Hotpot. Gestern Fisch & Sonstiges & Hotpot in Dengfeng. Heute Hotpot + Bier In luoyang. Dieses Mal saßen wir mit etwa 10 Leuten auf niedrigen (Kinder-)Stühlen. Es war eine richtige Gaudi. Es gab Unmengen an Essen (ich weiß gar nicht wo die das alles hergeholt haben) und ständig wurden Kartons mit Bier gebracht. Nach dem Essen war ich Zeuge einiger chinesischer trinkspiele - sehr unterhaltsam! Nach den beiden Wandertagen ist heute ein Tag zum Ausruhen. Nachher geht's dann nach zhengzhou. 

Kommen wir zur Rubrik Sonstiges. Die wird etwas länger:

Viele Menschen tragen ihr Essen und Trinken in Plastiktüten den Berg hoch. Und falls sie Rucksäcke benutzen, tragen sie diese auch nicht zu selten vorne herum am Bauch. Da schwitzt man am Rücken zumindest nicht so sehr... 

In der National Week habe ich relativ wenige Westler gesehen. Vielleicht liegt das an der Region, an der Anzahl von Chinesen oder daran, dass jeder den westlern rät, nicht zu reisen. Allerdings finde ich, man MUSS in dieser Woche mal gereist sein, um die vielen Menschen mit eigenen Augen gesehen zu haben! Dazu passt die einheimische Bevölkerung als perfekte Zielgruppe des Tourismus: viele Menschen reisen gerne zusammen, geben gerne viel Geld aus und haben genügend Geld. Zudem gibt es eine gegenseitige Ansteckung zu kaufen (ich glaube ich bin auch infiziert). Man besichtigt in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Attraktionen. Das beinhaltet oft Eintritt, Tourguide, Transport, Souvenirs. Laufen ist anstrengend, zeitaufwendig und bringt keinen Umsatz. Ob ein Ziel beliebt und damit teuer ist legt das nationale Tourismusbüro fest (höchstwertung AAAAA). Natürlich gilt wie immer: es gibt auch einige Ausnahmen.

Was mich bei den Wanderungen persönlich am meisten gestört hat, ist dass Leute ständig ins Tal schreien. So kann man minutenlang ununterbrochen den anderen Wanderern bei ihrem gekreische zuhören. Das galt bei mir vor allem für den touristischen (1.) Teil des Songshan. Der 2. Teil war hingegen beruhigend leise.

Mein Respekt geht auch wieder an das reinigungs- und versorgungspersonal, die jeden Tag tausende Stufen nehmen, um das Wandern für Leute wie mich erträglicher zu machen. Froh bin ich natürlich auch über das wolkenfreie Wetter zwischen 25-35 Grad. 

Allgemein finde ich das alleine reisen sehr schön, da man alles machen kann, was man möchte. Außerdem kann man immer ins Gespräch kommen, wenn man möchte, da einen viele Leute eher ansprechen, als wenn man zu zweit ist.

Noch ein paar kurze infos: Viele machen hier heimlich Fotos von mir. Es ist anders, als in Shanghai oder Peking... Sie könnten auch einfach fragen... Naja egal. Englische Schrift gibt es in Luoyang ebenso selten zu finden wie Starbucks & Co. Kaiserinnen gab es in China schon lange und oft - das war mir lange gar nicht bewusst, da Söhne oft als einzig legitime Nachfolger gesehen werden. In Busse schnallen sich die Leute fast immer an (nicht im öffentlichen Nahverkehr). Viele Wohnsiedlungen werden selbst in Luoyang gebaut (z.b. 20 Hochhäuser auf einen Schlag mit je 20-30 Stockwerken). Ob es da genug Nachfrage gibt? Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass überall geraucht und rumgerotzt wird. Last but not least ein interessanter sidefact: das Bier Tsingtao hat deutsche Wurzeln.

Montag geht es außerdem zurück nach Guangzhou. Noch eine knappe Woche bis zur Uni...