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Hangzhou

Alsoooo fangen wir mit Tag 1 von 2 in Hangzhou an: mit der Zugfahrt an. Mit dem Zug im der 2. Klasse fahren ist etwa wie in Deutschland, nur kam es mir gemütlicher vor. Und die Bahn ist in der Regel pünktlich. Ab 15 Minuten vor Abfahrt durften wir durch die Fahrkartenkontrolle zum Gleis. Da jeder seinen eigenen Sitzplatz hat eigentlich recht entspannt. In Hangzhou angekommen ging es dann mit der Metro und zu Fuß weiter zum Hostel.

Wie ist Hangzhou? Eine malerische und bei Dichtern beliebte Landschaft. Verstehe ich sofort. Der Westsee ist wie erhofft sehr schön und riesig, für die Besichtigung ging im Prinzip mein erster Tag drauf. Ärgerlich waren dabei das Gewitter ab Nachmittags und dass die Fähre mich einmal nicht mitgenommen hat, sondern Gäste nur ausgeladen hat, da ich der einzige Fahrgast war. Da es keine konkreten Abfahrtszeiten gibt hieß es also warten - in meinem Fall dann 40 statt nur 10 Minuten. Der Westsee ist laut Reiseführer und der Einheimischen das Highlight schlechthin, daher war es fast unmöglich den Menschenmassen zu entkommen. Wenn man sich allerdings etwas abseits und etwa 50 Höhenmeter entfernt aufhält sind es eher 10 statt 500 Touristen. 

Aufgefallen ist mir auch insbesondere an meinem 2. Tag, dass die Chinesen sehr lauffaul und schnell beim Besichtigen sind. Die Reisegruppen hatten immer ein schnelleres Tempo drauf als ich, dabei hat der Reiseführer immernoch was in sein Mikro gebrüllt. Und man sollte bedenken, dass einige Hinweistafeln bzw die Schriften auf Statuen, Tafeln, etc. von mir nicht gelesen werden (können), da sie in chinesisch verfasst sind. Sie gucken sich alles schnell an, ohne es gesehen zu haben (gilt natürlich nur für den Großteil, Ausnahmen gibt es immer)... 

Da es aktuell zwischen 30-35 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit sind, bin ich zum Glück nicht der einzige, der dauerhaft am schwitzen ist. Mit der prallen Sonne und den Regenschauern verstehe ich ebenfalls so langsam die enorme Bedeutung der Schirme. Einen Essens-Stand habe ich heute entdeckt Spießen: mit Skorpionen, Seepferdchen, Schlangen, Spinnen, Wespen, Tausendfüßern, Hornissen, Kakerlaken und sonstigen Krabbeltieren. Richtig gruselig fand ich vor allem die fetten Spinnen... Ist wohl Yunnan-Food. In die Provinz wollte ich zwar auch noch, aber erst im November oder Dezember... Ob ich etwas da in probieren werde steht in den Sternen. 

An Tag 2 habe ich mir zunächst den bekannten Lingyin-Tempel angesehen. Dazu dann eben noch eine Steinstadt und 2 weitere Tempel. Unglaublich wie viele Tempel es hier gibt. Im Laufe des Tages bin ich an zahlreichen weiteren Tempeln vorbeigelaufen. Die Statuen, Wände, Treppen und Details sind unglaublich :-O

Den Rückweg wollte ich über das bekannte Teedorf der Provinz (LongJing) (die Provinz ist bekannt für Tee und Seide) durch die hügelige Landschaft zu Fuß bestreiten. Etwa 8 Stunden war ich zu Fuß unterwegs, davon etwa 6 Stunden abseits der normalen Straßen - auf Wanderwegen eben. In diesen 6 Stunden habe ich 2 Leute getroffen. 2 in 6 Stunden... Dabei war ich nur zwischen 10-300 Höhenmetern unterwegs. Mein absolutes Highlight waren die ganzen Teefelder und ein Pavillon auf einem Hügel - definitiv auch meine Highlights von Hangzhou! Nach der Wanderung durch die Teefelder und dem obligatorischen Teetrinken ging es über eine Höhle und eine Quelle und weiteren Hügeln heimwärts. Auch an Tag 2 gab es wieder ein heftiges Gewitter gegen Nachmittag und es regnete bis abends durch... Durch das Gewitter und einige mehr oder weniger gewollte Umwege (Maps. Me zeigt manchmal mehr, manchmal weniger Wege an...) war es dann irgendwann halb 5. Laut maps.me sollte es eine Stunde nach Hause dauern. Akku 15%. Um 6 wird es dunkel, vielleicht kann ich sogar von den Hügeln einen schönen Sonnenuntergang sehen? Wird sicher schön :-) Denkste! Die eingezeichneten Aussichtspunkte waren Schrott und so konnte ich nur weiter Richtung Heimat. Allerdings musste ich mit dem Akku sparen - meine Taktik: immer dem Pfad folgen, bis zur nächsten Möglichkeit den Pfad zu wechseln, vorher schon mal gucken wie es dann weiter geht. So kann ich meinen Akku im Flugmodus schonen. Denkste Teil 2. Wie gesagt sind die Pfade nicht immer fehlerfrei und was schon mal gar nicht eingezeichnet ist, ist ob der Weg noch offen ist. Route 1 war irgendwas nn kommentarlos gesperrt, also wieder zurück zum Ausgangspunkt. 15 Minuten verloren, nicht schlimm. Nimmste eben Route 2 - hier das gleiche Spiel (geöffnet nur bis 16:30). Was soll der Käse? Ich will heim und hab kaum noch Akku -. - Route 3 war die längste Strecke. Es wurde gerade dunkel im Wald. Es regnete seit 4 Stunden, ich hatte kaum mehr Akku und neben den 20km noch 1300 Höhenmeter in den Beinen. Endlich hörte ich Autos - um 18:04 und 6% Akku war ich endlich an der Straße. Nun also heim. Taxis habe ich keine gefunden und die Unterkunft liegt ohnehin in der Fußgängerzone... Also entweder warten, durch den dunklen Park oder es an der Straße entlang durch die militärische Sperrzone versuchen? Ich entschied mich für den dunklen Park - aber nur weil der Eingang so einladend aussah und es 30 statt der 60 Minuten durch die Sperrzonen dauern sollte. Einige Wege waren beleuchtet und so kam ich fast auf direktem weg zu Hause an. Die letzten Meter gingen auch ohne Navi, da das Handy ausging...Fazit: Nach den 3 Tempeln mit ihren vielen Stufen kam ich 8 Hügel, weitere 20km und 1500 Höhenmeter später in der Dunkelheit im Hostel an. 

Also war ich endlich im Hostel. Sowohl die Rezeption als auch meine Zimmernachbarn verstehen etwas englisch (ein Chinese, ein halb-Chinesin/Französin). Nach kurzem geplauder sind wir dann noch etwas essen gegangen - regionale Küche versteht sich. 

What else? Die Touri-Preise sind echt unverschämt, werden aber gerne gezahlt - man bedenke, dass einheimische Touristen mit Sicherheit 99% ausmachen. Die Tempel sehen aus wie geschmiegelt und es gibt es überall Souvenirshops - aber keine Mönche. Das ist mir vor allem aufgefallen, als ich später bei einem Tempel war, der nicht auf der Karte eingezeichnet war. Hier gab es keine Eintrittsgebühr, nur 2-3 Touristen und überall liefen Mönche rum. Was noch? Die Dichte an schicken (vor allem weißen) Autos/SUVs der Marken Audi, BMW, Mercedes, Volvo, McLaren, Ferrari, Tesla, Lamborghini, Maserati, Bentley, Porsche, etc. scheint in China vergleichsweise hoch zu sein. Meiner Meinung nach ähnlich hoch wie in Frankfurt, wenn nicht noch höher. Entweder man kann sich ein schickes Auto leisten oder man fährt E-Fahrrad oder Metro. 

Morgen geht's für 3-4 Tage nach Shanghai - dort treffe ich Carla und Tengda, einen Einheimischen, der aktuell in Frankfurt promoviert. Ich bin gespannt!