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Die Woche nach dem Trip

Die Rückfahrt war natürlich relativ anstrengend: Da meine Unterkunft direkt an einer Kreuzung (mit vielen hupenden Rollern) und in der Nähe des Bahnhofs lag und die ganze Nacht über Bahnverkehr war (die (günstigen) Züge hupen immer bei der Einfahrt in den Bahnhof, um eventuell aussteigende Fahrgäste aufzuwecken), konnte ich die Nacht über kein Auge zudrücken. Um 2:30 Ortszeit und ohne Schlaf ging es also zum Bahnhof. Nach dem Einchecken fuhr der Zug gegen 3:15 von Luoyang nach Zhengzhou. Ankunft war etwa gegen 5:00 in Zhengzhou Hbf, von wo aus ich die Metro zu meinem Anschlusszug in Zhengzhou Ost nehmen musste (der Zug nach Guangzhou fuhr dann gegen 7:50). Da die erste Metro allerdings erst gegen 6:30 fuhr und schon um 5 Uhr morgens eine riesen Schlange vor der Sicherheitskontrolle zur Metro stand, entschied ich mich für die sichere Variante und nahm ein Taxi für umgerechnet 4€. Den Zug zu verpassen wäre der Super-Gau gewesen: Ich hätte die nächsten Tage keinen Zug nehmen können und einen spontanen und überteuerten Flug buchen müssen...

Gegen 15 Uhr erreichte ich dann endlich unsere Wohnung in Guangzhou. Da die anderen beiden auch bald ankommen sollten, hieß es also erstmal waschen und aufräumen. Meine Fotos wollte ich auch sichern und sichten - vor allem meine SD-Karte, die unterwegs kaputt gegangen war. Ob man die Bilder auf den Computer spielen konnte oder nicht bleibt ein Rätsel, da ich die SD-Karte wohl unterwegs verloren habe. Fotos von 7 Tagen sind also weg unx Handybilder hatte ich kaum gemacht :-( Zum Glück habe ich aber noch die Fotos aus Xi'an (und Umgebung) und Peking - das wäre sonst eine richtige Katastrophe gewesen.

However, der nächste interessante Abschnitt des China-Aufenthalts sollte nun beginnen: die Uni! Mittwochmorgen ging der erste Kurs los (Fr, Sa, So hatte ich ebenfalls Kurse) und ich brauchte durch die Reisen nicht lange, um in den morgendlichen 6-Uhr Aufsteh-Rhythmus zu kommen. 

Zu den Kursen:

Aktuell habe ich drei Kurse (zwei weitere folgen ab Mitte November). In allen Kursen muss man vor der Stunde mit Fingerabdruck einchecken und danach auschecken. Wer fehlt, bekommt Punktabzug. Wer 2 oder 3 Mal fehlt, der fällt durch. Die Mitarbeit fließt in allen Kursen mit 20-30% in die Abschlussnote ein. Eine Lehrer-Assistenz ist dafür verantwortlich zu notieren, wer wie oft zu Wortmeldungen kam (deshalb gibt es auch Namensschilder). Zusätzlich gibt es bei allen Fächern eine Endprüfung (30-40%) (Präsentation + Paper ODER Klausur). Zwischendurch gibt es (fast) immer Hausaufgaben (20-30%), die ebenfalls benotet werden. Und es gibt zwischendrin Präsentationen (20-30%). Vieles wird in Gruppenarbeit gemacht. Das Benotungssystem wirkt relativ strikt und anspruchsvoll. Mal sehen, wie später die Gesamtbenotung wird... Jedenfalls sieht es auf den ersten Blick nach viel Arbeit aus und wir haben die nächsten Wochen ausreichend zu tun. Nach den Urlaubswochen haben wir vermutlich nichts anderes verdient...

In zwei von drei Fächern scheint der inhaltliche Anspruch tatsächlich recht hoch zu sein und die Professoren sprechen gutes Englisch. Wir diskutieren viel und die Meinungen müssen ausreichend begründet werden. Ganz normale und fundierte Diskussionen eben. Kleiner Wermutstropfen: Alle chinesischen Studenten im ersten Fach haben ein Skript bekommen, nur für die Austauschstudenten gab es keins, obwohl noch welche übrig waren. Wir wurden nichtmal gefragt, ob wir auch eins haben können/wollen. Syllabus etc. gab es auch erst am Tag des Kurses. Den hätten wir aber im Mai/Juni oder bis spätestens Juli gebraucht...

Im dritten Fach ist das generelle Niveau niedriger, es gibt kein Skript und kein Referenzbuch (Unterton: Sucht euch einfach ein Buch, dass euch gefällt), viele Wortbeiträge sind auf chinesisch (von Chinesen und dem Professor) und der Professor war tatsächlich überrascht, dass etwa 10 von 50 Studenten es Kurses Austauschstudenten sind.  Er dachte, es gebe keine Austauschstudenten in seinem Kurs. Richtig gut vorbereitet...

Zum Glück gibt es Überschneidungen zwischen den Kursen bzw. sie sind auch komplementär. Inhaltlich möchte ich nicht weiter drauf eingehen, aber die Fächer scheinen neben anspruchsvoll auch interessant und lehrreich zu sein. Machbar sind sie mit Sicherheit trotzdem ;-) Alles in allem hinterlassen die Fächer einen ordentlichen ersten Eindruck und versprechen einen nicht zu unterschätzende Mehrwert. Der interkulturelle Austausch ist ebenfalls gegeben. In einem Fach sind wir bunt gemischt (4 Chinesen, 1 Russin, ich - die Kommunikation ist in meiner Gruppe meistens auf englisch, auch wenn sich einige der Chinesen damit sehr schwer tun und vieles nicht verstehen). Im anderen Fach haben wir uns aufgrund unserer bisherigen ausreichenden interkulturellen Erfahrungen auf eine deutschsprachige Connection geeinigt. Immerhin wollen wir die Reports und Präsentationen nicht mehrfach neu schreiben...

Thema Wetter: Normalerweise sollte es Anfang September in Guangzhou aufhören zu regnen. Hier regnet es teilweise aber immer noch. Dieses Jahr scheint in dieser Hinsicht außergewöhnlich zu sein. So wie dieses Jahr in Deutschland. Der Klimawandel ist eben kein lokales Phänomen...

Thema Essen: Guangzhou ist bekannt für seine zahlreichen verschiedenen Küchen. Die Xi'an Küche und die muslimische Küche haben wir seit unserer Rückkehr des Öfteren ausgetestet. Auch einige Snacks, die ich unterwegs gesehen hatte. Dennoch war es bisher auch hier möglich (insbesondere beim Frühstück), verschiedene neue Dinge zu probieren. Ebenso scheint die Bereitschaft für Neues (Essen) bei meinen beiden Mitbewohnern durch die Reise weiter gesteigert worden zu sein: Egal ob Restaurante Imbissbude, exotisch oder "heruntergekommen" scheint kein Hindernis (mehr) zu sein. Hauptsache Leute sitzen in dem Restaurant. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und viele weitere neue Gerichte :-)