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Dali Teil 2

In China gibt es nur eine Zeitzone. Theoretisch müssten es aber 5 geben. Und so kommt es, dass man im Westen regelmäßig bei Dunkelheit aufsteht (vor allem, wenn man wie ich gerne früh aufsteht und früh ins Bett geht) und es abends lange hell ist. In der Dunkelheit ging es also heute Morgen Richtung Gondel. Um 7 Uhr war ich angekommen, um 9 Uhr machte die Gondel auf. Der Sonnenaufgang war offiziell um kurz nach 8. Also beschloss ich, den Aufstieg im Dunkeln durch den Wald zu beginnen. Wildschweine gibt es hier keine, also schätzte ich das Gefahrenrisiko als gering ein. Eichhörnchen gab es aber eine Menge. Außerdem versprach ich mir, unterwegs den Sonnenaufgang von einer schönen Stelle aus beobachten zu können. Der Sonnenaufgang war tatsächlich recht lange und mit Sicherheit auch schön, durch die ganzen Bäume konnte ich ihn allerdings nicht richtig sehen und genießen. Das Schimmern der Sonnenstrahlen durch die Bäume war trotzdem schön ;-) 

Das Gute war außerdem, dass sonst niemand wandern war. Nach ein paar Stunden ging es dann wieder runter zur Altstadt in die Nähe meiner Unterkunft. Vorher wollte ich aber noch die Sonne in einem Café genießen. Das Resultat: eine entspannte Zeit, ein leckerer Kaffee und Sonnenbrand auf der Nase... 

Nach dem auschecken ging es mit dem Bus weiter zum See. Das Ufer und der Blick zu den Bergen ist Wahnsinn! 

Ich war am Westufer des Sees. Abseits der Altstadt gab es wohl mal eine touristisch sehr erschlossene Gegend. Jetzt werden nach und nach die Gebäude abgerissen - scheinbar größtenteils von Hand (wer haut denn bitteschön mit nem Hammer auf massiven Backstein ein?!). Bis zu 20 Rohstoffsammler scheinen dann gleichzeitig an einem Gebäude beschäftigt zu sein. Manche Unterkünfte sind halb abgerissen und halb top gepflegt und bewohnt. Ein seltsamer Anblick. Die ganzen Gässchen wirkten sehr trist und hoffnungslos. Die Gegend hat die beste Zeit definitv schon hinter sich. Nach ein paar Kilometern Tristesse kam ich bei ein paar Gemüsefeldern an. Der Anblick hier war wesentlich angenehmer:

Für den Rückweg mit dem Bus zum Bahnhof hatte ich noch etwas Zeit über. Zum Glück. Direkt vor uns stürzte eine sehr alte Frau mit dem Roller. Jemand kümmerte sich am Straßenrand um sie, bis der Krankenwagen kam. Die Polizei kam auch. Allerdings dauerte es eine Stunde, bis die Polizei da war. Der Roller blockierte unseren Bus und dieser die ganze Fahrbahn. Eine Stunde Vollsperrung - und viele Kinder und Erwachsene mit ihren gezückten Handys, sobald etwas passierte...

Nach einem kurzen Abstecher im Erhai Park habe ich mir noch ein Abendessen bei einem der zahlreichen Restaurants gegönnt. Hotpot. Fur bloß 30 Yuan. Perfekter Geschmack, perfekte schärfe, perfekte Menge. Perfekter Abschluss aus Dali. Jetzt sitze ich im Zug nach Lijiang - meine letzte Zugfahrt hier (wenn man die Metros mal ausklammert). 

2 sonstige Dinge:

1. Heute ist mit wieder eingefallen, wieso wir diese Reisen heutzutage unternehmen können - ganz im Gegensatz zum Beispiel zu unseren Eltern damals (mit Sicherheit gibt es noch viele weitere Gründe). Alles ist globalisierter und vernetzter: Tourismus ist gängiger, als noch vor 30 Jahren (und daher gibt es auch mehr Unterkünfte). Das Internet bietet die Möglichkeit, sich zu informieren und flexibel zu buchen (zum Beispiel Unterkünfte und Züge). Apps dienen als Übersetzer. GPS bringt uns an Orte, auf die wir im Leben nicht gekommen wären und in Gassen, in die wir uns nie alleine getraut hätten (ohne uns zu verlaufen). Apps vertraten uns Geheimtipps und vereinfachen Bezahlvorgänge. Außerdem haben wir die Möglichkeit, parallel zu arbeiten oder Bafög zu beziehen und zu studieren, was uns von unseren Eltern finanziell macht (diese sind von uns nicht finanziell abhängig).

Die zweite Sache ist eher eine Hoffnung: die Hoffnung, in Zukunft ein anderes Zeitgefühl für Reisen zu haben. Die Zugfahrten dauern hier sehr lange und mit dem Einchecken vor Abfahrt (und einem Sicherheitspuffer) geht noch mehr Zeit drauf. Außerdem weiß ich die Vorzüge von Zugfahrten jetzt noch mehr wertzuschätzen. Vielleicht auch nur, weil es hier keine Zugausfälle gibt und die Züge in der Regel pünktlich sind. Und weil die Preise niedrig sind... Mal sehen, welche Reisen die Zukunft noch bringt.