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Ankunft in Beijing

Fangen wir chronologisch an. Zuerst ging es mit dem Nachtzug von Shanghai nach Peking. Abends um 9 los und morgens um 9 da. Ich hatte wie meine drei anderen Zimmerkollegen ausreichend Platz auf meinem Soft Sleeper und sehr bequeme Bettwäsche. Licht und Temperatur waren ebenfalls super angenehm, weshalb ich etwa 8 oder 9 Stunden durchschlief. Ohne Wecker hätte ich vermutlich auch 10 oder 11 Stunden schlafen können :-P

In Peking angekommen ging es erst zur Unterkunft, um meinen Rucksack abzugeben. Da es noch vormittags war, beschloss ich also, mir die Stadt ein wenig anzusehen. Das erste was mir direkt auffiel: im Gegensatz zu Shanghai sind die Häuser viel niedriger und oft als kleine eigenständige Wohnsiedlungen (Hutongs) angeordnet. Auch wenn einige Hutongs restauriert waren, macht die Stadt auf mich einen authentischeren und wesentlich charmanteren Eindruck. Die Süd-Nord-Ausrichtung liest sich zudem auf der Karte sehr geordnet.

Was war noch anders? Viel mehr Mauern, Absperrungen, Polizei, freiwillige Polizei und Kameras. Viiiiel viel mehr. Zuerst traute ich mich kaum, Fotos zu machen... Baustellen gibt es ebenso viele wie im gesamten Land.

Zuerst ging ich über den Beihai-Park, die Jade-Insel inkl. Pagode zu den drei Hinteren Seen und der Silberbarrenbrücke. In letzterer Gegend ist es mittlerweile sehr touristisch, sodass die Hutongs an den Hauptstraßen brandneu restauriert aussehen und sich mittlerweile einige Bars und Restaurants dort niedergelassen haben. Ich entschied mich allerdings für ein Restaurant der "unteren Schicht". In dem Fall (wie in Peking wohl üblich) bestellt man an der Kasse und geht mit Kassenbon gleich zur offenen Küche, die einem gleich das Essen zubereiten. Meist Suppe mit Leber oder Nudelsuppe. Bei. Mir gab's Nudelsuppe und ein undefinierbares Gemisch aus Leber, Tofu, und sonstigem. Die Nudeln wurden aus einem riesen Kessel gefischt und nochmal in einem anderen normalen Kessel mit Wasser gewaschen, bevor sie dann wieder mit heißer Brühe in meinen Teller eingeschenkt wurde. Seltsam...

Anschließend war ich zuerst im Glocken-, dann im Trommel-Turm, die beide als Zeitgeber in allen größeren Städten Chinas zu finden sind (mit unterschiedlichen Funktionen). In Peking sind beide nochmal größer und pompöser als z.B. in Nanjing. Erfrischend anders war dieses mal jedoch auch je eine Ausstellung zu verschiedenen Zeitmessgeräten und zu den 24 ungleichmäßigen Zeitperioden des Jahres (und deren Bedeutung für China) sowie zu der Aufteilung in den Mondkalender und gregorianischen Kalender. Wirklich bemerkenswert interessant und viel Input... 

Entgegen meiner Erwartungen war ich zudem sehr positiv vom Konfuzius-Tempel der Stadt bzw. von der Konfuzius-Ausstellung überrascht. Die Kaiserliche Akademie war angegliedert und das Auswahlverfahren der zukünftifen Studenten ebenfalls sehr anschaulich dargestellt. Also durchaus ein überraschend lohnender Tag. Zum Abschluss des grandiosen Tags war ich in einem lokalen Restaurant um die Ecke, in dem im gleichen Stil wie am Mittag gekocht/serviert wurde. Ein Großteil der Kundschaft war noch in Arbeitsklamotten da - sprich Helm und Warnweste: da geht einem doch das Herz auf :-) 

Was sonst noch? Das rote Parteibuch scheint hier eine größere Rolle zu spielen und vielen Menschen zu den Attraktionen freien Eintritt zu gewähren. Die Temperatur ist aktuell mit milden 25 Grad hervorragend (davor stets 30-35 Grad und feucht, in Shanghai etwas weniger). Hier scheint es im Gegensatz zum stark e-mobilisieren Rollerverkehr der anderen Städte eine e-Parität mit normalen Fahrrädern zu geben. Sowohl in Peking als auch in den anderen Städten üblich, dass die Menschen das Posieren vor der Kamera lieben - in vielen Fällen mit Selfie-Stick, professioneller Kamera oder, nicht ganz zu selten, mit Stativ.

Heute morgen wollte ich mir das Herzstück Pekings ansehen. Um viertel nach 7 stand ich am Mao-Mausoleum. Um 7 Uhr macht es auf, die Schlange war gigantisch lang (stehen bleiben ist übrigens verboten und man muss vorher Handy und Kamera in einem Spind weit entfernt einschließen). Trotzdem hätte ich viel zu lange anstehen müssen. Freitag versuche ich mein Glück aufs neue... Also begann ich mit dem Zhengyangmen-Tor, dem Platz des Himmlischen Friedens und dem Tor des Himmlischen Friedens. Der Platz des Himmlischen Friedens ist ein gigantischer Platz, auf dem sich bei Paraden angeblich 1 Millionen Menschen versammeln können... Um auf den Platz zu kommen muss man natürlich zunächst eine ID- und Sicherheitskontrolle passieren. Im Anschluss ging es zum Kaiserpalast / der verbotenen Stadt inkl. Treasury Galery. Beides lässt sich schwer in Worte fassen, deshalb halte ich mich kurz: Die Größendimension und Perfektion der Gebäude ist atemberaubend. Man kann die Anlage nicht genug wertschätzen. Dieses Land hat dieser Welt vor so langer Zeit perfekte und kolossale Gebäude geschenkt. Man muss dazu sagen, dass aktuell durch ständige Bauarbeiten auch alles dafür getan wird, dass alles in Schuss gehalten wird. Dennoch beeindruckend. Die Kaiser haben bei mir ihr Ziel erreicht, dass ich mich klein fühle... Natürlich ist nicht jeder Bereich für die Öffentlichkeit zugänglich. Dennoch war ich ohne Audio-Guide 5 Stunden flott und fast schon überhastet unterwegs. Normalerweise hätte man wohl eine Woche gebraucht...

Danach ging es zum Kohlenhügel, der eine beeindruckende Sicht auf die verbotene Stadt und das Umland gewährt. Da viele Museen etc. schon gegen 15 oder 16 Uhr den Einlass stoppen blieb nur noch Zeit für das Gebäude der National China Performing Arts (NCPA), unter deren Kuppel die Oper, die Konzerthalle und das Theater zu finden sind. Leider konnte ich nicht in die Konzerthalle (gerade eine Aufführung). Die anderen beiden waren wegen Proben und Arbeiten ebenfalls geschlossen. Also blieb mir "nur" der Rundgang unter der Kuppel und die Ausstellung zur Oper. Ein sehr lohnenswerter Besuch der erst 10-jährigen Anlage.

Ich bin auf die restlichen anderthalb Tage gespannt. 7 Tage Peking wären wesentlich besser gewesen - Viele Dinge (Himmelstempel, Sommerpalast, Olympia Park) musste ich bereits leider von meiner Liste streichen... Morgen um 5 Uhr versuche ich mich in Richtung Mauer und Ming-Gräber ;-)