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Guangzhou 2018

Mein Auslandssemester

Mit diesem Blogeintrag möchte ich gerne ein paar finale Worte loswerden. Wer den Blog gelesen hat, wird gemerkt haben, dass ich China, also das Land, die Städte, die Natur, die Menschen und das Essen sehr zu schätzen gelernt habe. Ich habe viele neue positive und auch einige negative Eindrücke gesammelt. Vieles (kulturelle) ist mir weiterhin ein Rätsel und löst immernoch Kopfschütteln bei mir aus - immerhin werde ich nicht mehr so überrascht, wie zu Beginn.
Anbei eine kurze geographische Zusammenfassung der Städte/Regionen, die ich besucht habe:

Ursprünglich wollte ich zu ein paar besonders schönen Städten noch ein paar Worte verlieren oder zumindest ein paar Empfehlungen aussprechen. Allerdings bin ich der Meinung, dass jeder selbst seine eigenen Erfahrungen machen sollte und der Blog an sich schon einen ausreichenden Eindruck zu meinen Erfahrungen liefern sollte. Vieles lässt sich auch einfach nicht in Worte fassen und man kann bestimmte Dinge nur glauben, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat. 4,5 Monate sind natürlich nicht ausreichend, um tiefgreifende Einblicke in die Kultur zu bekommen. Dafür müsste man ohnehin in einer einheimischen Familie wohnen. Zudem wären weitere Einblicke in das Geschäftsleben spannend. Vielleicht in der Zukunft?! Das Semester war mit Sicherheit nicht der letzte Trip nach China. Glücklicherweise gab es auf dem Rückflug zum Frühstück nochmal Dim Sum, wenn auch in einer etwas anderen Qualität, als frisch von den Straßenständen:

Zu meinen Mitbewohnern habe ich oft gesagt, dass überall Deutsche anzutreffen sind. Das war meist negativ behaftet. In Wahrheit ist es aber so, dass ich zu Reisen nach China und in andere Länder ermutigen möchte. Geht raus, schaut zu, tauscht euch mit Fremden aus und lernt von ihnen (gerne auch in Deutschland). Genau das haben die vielen Deutschen (und natürlich auch alle anderen Reisenden) getan und das ist gut so. Wenn wir von anderen Kulturen lernen, hilft es uns im Umgang und Zusammenleben mit anderen Menschen. Auch Menschen uns noch unbekannter Kulturen.
Jetzt nach Hause zu geflogen zu sein stimmt mich trauriger, als erwartet. Auch überall deutsch zu hören und westliche Gesichter zu sehen, ist seltsam. Dabei hatte ich zwei deutsche Mitbewohner. Seltsam. Überall deutsch zu hören lenkt irgendwie ab. Man ist nicht mehr nur mit seinen Gedanken bei sich, sondern hört überall zu und fühlt sich angesprochen. Aber auch das legt sich bestimmt schnell... Außerdem ändert sich ja nicht alles: Mit Stäbchen Reis zum Frühstück essen kann ich ja weiterhin. Nur kochen muss ich selber...
Ich bin sehr dankbar für die Zeit in China und ich hoffe, ihr hattet mit dem Lesen des Blogs ebenso viel Spaß wie ich mit dem Schreiben!
Danke an dieser Stelle auch an meine Mitbewohnerin Carla, die die Idee mit dem Blog hatte. Und natürlich danke an meine "offiziell treuesten Leserin" S.O., die ab und zu auch nach Updates gefragt hat, wenn ich mal weniger geschrieben habe. Und natürlich danke an alle, die irgendwie direkt oder indirekt in die Reise involviert waren ;-) Ihr alle habt mir eine sehr tolle Zeit ermöglicht!
Auch wenn ich gerade traurig bin, freue ich mich dennoch auf die nächsten Monate in Frankfurt - sie versprechen durchaus aufregend zu werden!

PS: Bei einer Tasse Tee oder Kaffee bin ich gerne bereit für die ein oder andere Zusatzinfo.

Abschied aus Guangzhou

Der letzte Tag in Guangzhou war eher entspannt, als spektakulär - bis auf das Ende. Jetzt ist es gerade eher hektisch. Fangen wir aber vorne an. 

Heute Morgen konnte ich final meinen Koffer bei der Unterkunft packen. 21kg Gepäck habe ich, 23kg sind erlaubt. Sehr schön. Ich habe noch etwas Restgeld ausgeben und schließlich bin ich bei gut 20 Grad über den Campus geschlendert. Ein wirklich schöner Campus - hier nochmal ein paar Bilder von heute:

Um das Geld der Campuskarte aufzubrauchen, gab es dann in der Uni in unserem Standard-Café nochmal Abendessen. Unterstützung hatte ich dazu wieder von Zineb, einer marokkanischen Freundin, die noch ein Semester länger in Guangzhou bleiben wird (das erste Bild ist mein Abendessen, das zweite unser Silvester-Essen. Es waren ja sonst alle an Silvester weg...):

Das spannende und hektische war dann der Weg zum Flughafen. Erst vollbepackt zur Metro laufen und dann in der Rush Hour noch 2x umsteigen. Natürlich war es übervoll, aber mir blieb keine andere Wahl. Mit einiger Verspätung (ich konnte manchmal erst die 2. oder 3. Metro nehmen) habe ich es nun zum Flughafen geschafft. Auf der Metrofahrt konnte ich eben den Blogeintrag schreiben. 

Gleich geht es zum einchecken und dann ab zum Gate. Ich denke noch sehr rechtzeitig ;-). Habe etwas Puffer eingeplant. Mit einem Zwischenstop (in China) geht es dann nach Frankfurt. Goodbye Guangzhou! It was a pleasure.

Abschied aus der Yunnan Provinz

Heute ist der Himmel über Lijiang bewölkt und es ist etwas kalt. Daher sitze ich gerade im Café und wärme mich auf. Was gibt es dabei schöneres, als die letzten Tage Revue passieren zu lassen?! 

Gestern ging es von der Unterkunft runter zu Tina's Guesthouse - dem offiziellen Ende des "schönen" Teils der Tigersprungschlucht. Dort gibt es auch einen schönen drei-/vierstündigen Rundwanderweg runter zum Fluss der Schlucht. Vormittags war ich bei Tina's angekommen und der einzige Bus des Tages ging um 15:30 - genug Zeit also, für ein paar Pausen und den Rundwanderweg (mit der mittleren Tigersprungschlucht als Highlight). 

Nach einer kleinen Stärkung ging es also die restlichen 400 Meter zum Fluss hinab. Der Weg war recht schmal und es gab einige wackelige Treppen und Brücken unterwegs (eine fachmännische Konstruktion sieht anders aus). Allerdings hat alles gehalten, also alles gut. In der Schlucht gab es einige Punkte, von denen aus man einen wunderschönen Blick auf die Berge, die Klippen und den Fluss hatte. Wegen der schiefen, löchrigen und wackeligen Brücke ist mir eine Stelle aber besonders in Erinnerung geblieben. Außerdem musste man 10 Yuan extra für die überquerung bezahlen...

Nach Begehren der Schlucht ging es wieder nach oben: teilweise mit der "Sky ladder". Eine etwa 20-30m lange und sehr schmale Leiter. Für Feuerwehrleute sicher ein Klacks, für mich in Ordnung, für Leute mit Höhenangst sicher sehr herausfordernd... 

Oben angekommen hatte ich noch Zeit für eine Stärkung - dieses Mal gab es Yak Cheese Dumplings mit Honig. Nicht unbedingt mein Highlight, aber ganz in Ordnung ;-)

Auf der Rückfahrt musste ich mich für den Abend erholen. Lijiang ist bekannt für seine schöne Altstadt inklusive der nächtlichen Beleuchtung. Ein besonderes Highlight sind die Kanäle bei Nacht. In bestimmten Bereichen gibt es mehrere hundert Meter am Stück Bars und Clubs. Dort werden alle möglichen Musikrichtungen (Techno, Hiphop, Schlager, verschiedene Rockstyle,...) (meist chinesisch) in Form von Live Musik, Tanzgruppen, Karaoke und Clubs gespielt (selten gibt es einfach nur Hintergrundmusik, Live Bands haben dominiert). Wirklich unglaublich spannend und vielfältig! Von außen sah es meistens so aus:

Lijiang ist außerdem bekannt für seinen Tee. Deshalb wollte ich mir hier ein Teeset kaufen. Allerdings ist Lijiang wohl auch für Silberware bekannt und so kostete ein Standard-Set schon mal 1500€. Zu viel für mich... Dann werde ich morgen in Guangzhou nochmal gucken müssen. Dort gibt es immerhin den größten Teemarkt Südchinas.

Nach dem heutigen Frühstück (links) und zahlreichen Begegnungen mit Leuten der Naxi Minderheit (rechts; häufig anzutreffen in Lijiang) kam ich zufällig bei einem normalen Lebensmittelmarkt vorbei. 

Bilder möchte ich euch gerne vorenthalten. Nur so viel möchte ich sagen: es gab hunderte oder tausende von Ständen, geclustert in Bereiche für Gemüse/Obst/Gewürze, Fisch und Meeresfrüchte, Schwein, Geflügel. Ein anderer Markt in der Nähe hatte sich auf Pflanzen und Haustiere (Vögel, Fische, Hamster) spezialisiert.

Gleich geht's Richtung Flughafen und morgen Abend zurück nach Frankfurt. Davor aber nochmal kurz zur Altstadt:

 

Die Altstadt von Lijiang ist tatsächlich die schönste Altstadt, die ich je in meinem Leben gesehen habe: Eine Mischung aus Holz und Stein, die Kanäle und Brücken, die Böden, die Pflanzen, die Wandgemälde, die Gassen, die Innenhöfe, die Farben... Lijiang ist wahrhaftig ein würdiger Abschluss einer grandiosen Zeit: Lijiang ist der perfekte Abschluss meiner Reise durch die Yunnan Provinz und meiner Zeit in China. Besser könnte ich mir einen Ausklang der letzten wundervollen viereinhalb Monate nicht vorstellen.

Danke Lijiang. Danke China. Ich bin froh, dass ich hier her kommen durfte. 

 

Tigersprungschlucht

Heute Morgen ging es gute 2 Stunden mit dem Bus zur Tigersprungschlucht. Wir waren zunächst zu fünft im Van. Am Eingang der Schlucht verließen uns die ersten beiden - sie hatten eine private Tour gebucht. Der Van setzte sich in Bewegung und fuhr in die Schlucht. Nach ein paar hundert Metern hielt der Fahrer und ließ mich raus mit den Worten - "Two Days? OK? Go!" Also stieg ich aus. Maps.me zeigte mir aber zum Glück auch an, dass meine Tour an dieser Stelle starten sollte. Ich fing also mit der Wanderung an, das Auto fuhr weiter. Der Unterschied der beiden Touren ist, dass die Zweitagestour zu Fuß durch die Berge geht, während man bei der eintägigen Tour mit dem Auto durch die Schlucht fährt. Das steht mir morgen dann bei der Rückfahrt bevor.

Die ersten beiden Stunden waren anstrengend und nicht gerade spektakulär. Sie waren in Ordnung.  Hier ein kleiner Auszug aus dem Anfangsstück. 

Nach knappen 2 Stunden kam ich am ersten Dorf vorbei. Ab hier sollte es besser werden. 

Die Felder werden mit unterschiedlichem Gemüse angebaut. Auf dem ganzen Weg (heute 7 Stunden) traf ich nur zwei Gruppen: eine Gruppe Chinesen, die zu einem umliegenden Gipfel wollten (5396m) und eine Gruppe Südkoreaner, die den gleichen Weg liefen wie ich. Unterwegs traf ich sie ein paar Mal - zum Glück, denn so konnten sie mir auch beim Bilder machen mit der Kamera helfen ;-)

Bei der Ankunft an der Schlucht um 10 Uhr morgens war es noch recht frisch. Das änderte sich aber gegen Mittag und so musste ich schließlich die Jacke verstauen und die 50er Sonnencreme auspacken.

Die gesamte Route beträgt etwa 24km + Rundewanderwege und einige Höhenmeter. Am ersten Tag sind 5h Wanderung und am zweiten Tag 7h Wanderung vorgesehen. Ich konnte den Spieß aber umdrehen, sodass morgen die kürzere Strecke (viel bergab) ansteht. Unterwegs gab es noch ein paar schöne Berge zu sehen. 

Viel Spannendes ist heute nicht passiert. Es war einfach nur etwas anstrengend, die Atmosphäre ruhig und entspannt. So sollte Wandern sein.

Morgen früh um 8 Uhr bei Sonnenaufgang werden es übrigens -10 Grad sein. Dazu kommt starker Wind. Gegen 11 Uhr sollen es dann schon 6 Grad sein. Hoffentlich wärmt die Wanderung ausreichend. Mütze, Handschuhe und Schal habe ich nicht dabei... 

Lijiang

Lijiang ist ebenso wie Kunming und Dali einen Abstecher wert. Allerdings besser mit Sonnencreme. Gestern Abend kam mir die Idee, warum ich hier so leicht Sonnenbrand bekomme; Kunming liegt auf 1900m, Dali auf 2000m und Lijiang auf 2400m Höhe. In Dali und Lijiang ging es bei den Wanderungen dann auf etwa 2800m. Dadurch, dass es hier sehr flach ist und überall Seen und Flüsse sind (und der Schnee derzeit erst ab etwa 3500-4000m beginnt), war mir die Hochebene nicht mehr bewusst.

Nun zu Lijiang: Es ist gut, dass ich die Stadtreihenfolge in der Yunnan Provinz so gewählt habe, wie ich es getan habe. Die Altstadt von Lijiang ist nochmal schöner, als die Dalis. Dementsprechend viele Hotels, Restaurants und Geschäfte gibt es. Trotzdem alles sehr klein gehalten, nicht überlaufen und architektonisch in altem Stil gebaut (wenn auch sehr gut gepflegt und restauriert). Die öffentlichen Toiletten sind im Übrigen sehr modern (auch wenn es keine Sitztoiletten gibt). Einen schönen Blick auf die Altstadt im Westen und die Neustadt im Osten sowie auf die umliegenden Hügel und den Jadedrachenberg hat man vom Löwenhügel in der Mitte der Stadt und vom Elefantenhügel am Rande der Stadt.

Hier der Blick auf die Altstadt 

Hier der Blick vom Elefantenhügel (ca. 2800m Höhe) zum Jadedrachenberg (gut 5500m Höhe). 

Zum Mittagessen hatte ich mir überlegt, mal etwas neues auszuprobieren und mich für dieses Gericht hier entschieden:

Kurz in der Pfanne anbraten, etwas Chilli, Knoblauch und sonstige Gewürze hinzufügen - fertig. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nur etwa ein Drittel des Tellers gegessen habe. Ist nicht unbedingt mein Favorit... 

Nach dem Mittagessen ging es zum Dragon Pool Park, von wo aus man auch einen schönen Blick auf den Berg hat:

Danach ging es zum elephant hill (Foto siehe weiter oben). Djesen darf man aus Sicherheitsgründen nur mit mindestens 4 Personen betreten. Ich war allerdings alleine unterwegs. Blöd... Zum Glück kamen nach kurzer Zeit noch zwei Einheimische und wir gingen die ersten Meter zusammen los. Danach trennten sich natürlich die Wege...

Zum Abendessen hatte ich die Wahl und ich entschied ich mich für Fisch und etwas Reis und gegen die etablierten Ketten aus dem Westen (siehe 2. Bild):

Der Herr des Hauses wollte mit mir den Fisch aussuchen. Natürlich verstand ich ihn nicht und so angelte er ihn eben ohne mich. Übrigens wären die Kosten für McDonalds, KFC, Pizza Hut oder Starbucks gleich oder höher gewesen, als der ganze Fisch mit Reis und Tee... 

Nach dem Abendessen ging es durch die Altstadt. Gar nicht so einfach, ohne sich zu verlaufen. Mit der groben Orientierung an der Sonne und Baidu schaffte ich es kurz vor Sonnenuntergang heim. Ein ereignisreicher Tag. 

Jetzt sitze ich im Bus zur Tigersprungschlucht - eine 2-Tages-Tour. Die Wanderung soll ein Highlight sein und ist als eine der wenigen Touren hier, die für Touristen erschlossen ist (es fahren Busse und es gibt Unterkünfte). Im Hostel wurden noch viele weitere Tagestouren angepriesen - allerdings muss man entweder viel Geld bezahlen oder den gesamten Weg zu Fuß bestreiten. Schilder gibt es auch nur wenige. Aufgrund zahlreicher Empfehlungen und aus Zeitgründen habe ich mich deshalb für die Tigersprungschlucht entschieden. Die Vorfreude steigt. In jener Stunde sollen wir ankommen. 

Dali Teil 2

In China gibt es nur eine Zeitzone. Theoretisch müssten es aber 5 geben. Und so kommt es, dass man im Westen regelmäßig bei Dunkelheit aufsteht (vor allem, wenn man wie ich gerne früh aufsteht und früh ins Bett geht) und es abends lange hell ist. In der Dunkelheit ging es also heute Morgen Richtung Gondel. Um 7 Uhr war ich angekommen, um 9 Uhr machte die Gondel auf. Der Sonnenaufgang war offiziell um kurz nach 8. Also beschloss ich, den Aufstieg im Dunkeln durch den Wald zu beginnen. Wildschweine gibt es hier keine, also schätzte ich das Gefahrenrisiko als gering ein. Eichhörnchen gab es aber eine Menge. Außerdem versprach ich mir, unterwegs den Sonnenaufgang von einer schönen Stelle aus beobachten zu können. Der Sonnenaufgang war tatsächlich recht lange und mit Sicherheit auch schön, durch die ganzen Bäume konnte ich ihn allerdings nicht richtig sehen und genießen. Das Schimmern der Sonnenstrahlen durch die Bäume war trotzdem schön ;-) 

Das Gute war außerdem, dass sonst niemand wandern war. Nach ein paar Stunden ging es dann wieder runter zur Altstadt in die Nähe meiner Unterkunft. Vorher wollte ich aber noch die Sonne in einem Café genießen. Das Resultat: eine entspannte Zeit, ein leckerer Kaffee und Sonnenbrand auf der Nase... 

Nach dem auschecken ging es mit dem Bus weiter zum See. Das Ufer und der Blick zu den Bergen ist Wahnsinn! 

Ich war am Westufer des Sees. Abseits der Altstadt gab es wohl mal eine touristisch sehr erschlossene Gegend. Jetzt werden nach und nach die Gebäude abgerissen - scheinbar größtenteils von Hand (wer haut denn bitteschön mit nem Hammer auf massiven Backstein ein?!). Bis zu 20 Rohstoffsammler scheinen dann gleichzeitig an einem Gebäude beschäftigt zu sein. Manche Unterkünfte sind halb abgerissen und halb top gepflegt und bewohnt. Ein seltsamer Anblick. Die ganzen Gässchen wirkten sehr trist und hoffnungslos. Die Gegend hat die beste Zeit definitv schon hinter sich. Nach ein paar Kilometern Tristesse kam ich bei ein paar Gemüsefeldern an. Der Anblick hier war wesentlich angenehmer:

Für den Rückweg mit dem Bus zum Bahnhof hatte ich noch etwas Zeit über. Zum Glück. Direkt vor uns stürzte eine sehr alte Frau mit dem Roller. Jemand kümmerte sich am Straßenrand um sie, bis der Krankenwagen kam. Die Polizei kam auch. Allerdings dauerte es eine Stunde, bis die Polizei da war. Der Roller blockierte unseren Bus und dieser die ganze Fahrbahn. Eine Stunde Vollsperrung - und viele Kinder und Erwachsene mit ihren gezückten Handys, sobald etwas passierte...

Nach einem kurzen Abstecher im Erhai Park habe ich mir noch ein Abendessen bei einem der zahlreichen Restaurants gegönnt. Hotpot. Fur bloß 30 Yuan. Perfekter Geschmack, perfekte schärfe, perfekte Menge. Perfekter Abschluss aus Dali. Jetzt sitze ich im Zug nach Lijiang - meine letzte Zugfahrt hier (wenn man die Metros mal ausklammert). 

2 sonstige Dinge:

1. Heute ist mit wieder eingefallen, wieso wir diese Reisen heutzutage unternehmen können - ganz im Gegensatz zum Beispiel zu unseren Eltern damals (mit Sicherheit gibt es noch viele weitere Gründe). Alles ist globalisierter und vernetzter: Tourismus ist gängiger, als noch vor 30 Jahren (und daher gibt es auch mehr Unterkünfte). Das Internet bietet die Möglichkeit, sich zu informieren und flexibel zu buchen (zum Beispiel Unterkünfte und Züge). Apps dienen als Übersetzer. GPS bringt uns an Orte, auf die wir im Leben nicht gekommen wären und in Gassen, in die wir uns nie alleine getraut hätten (ohne uns zu verlaufen). Apps vertraten uns Geheimtipps und vereinfachen Bezahlvorgänge. Außerdem haben wir die Möglichkeit, parallel zu arbeiten oder Bafög zu beziehen und zu studieren, was uns von unseren Eltern finanziell macht (diese sind von uns nicht finanziell abhängig).

Die zweite Sache ist eher eine Hoffnung: die Hoffnung, in Zukunft ein anderes Zeitgefühl für Reisen zu haben. Die Zugfahrten dauern hier sehr lange und mit dem Einchecken vor Abfahrt (und einem Sicherheitspuffer) geht noch mehr Zeit drauf. Außerdem weiß ich die Vorzüge von Zugfahrten jetzt noch mehr wertzuschätzen. Vielleicht auch nur, weil es hier keine Zugausfälle gibt und die Züge in der Regel pünktlich sind. Und weil die Preise niedrig sind... Mal sehen, welche Reisen die Zukunft noch bringt. 

Dali

Es macht Spaß, den Blog zu schreiben. Es ist zwar etwas Arbeit (gleiches gilt es für das abendliche Bilder löschen), aber man kann auf diesen Weise den Tag nochmal reflektieren / Revue passieren lassen - quasi 2x den Tag erleben. Was ist heute passiert? 

Heute Morgen ging es sehr früh zum Bahnhof in Kunming. Gegen Vormittag war ich in Dali angekommen und musste noch eine gute Stunde mit dem Bus zu meiner Unterkunft fahren (da sie in der Altstadt liegt). Auf dem Weg dorthin ging es am Erhai See vorbei (kurze Korrektur zum letzten Beitrag: dort hatte ich gesagt, in Kunming sei der Erhaisee. In Kunming ist aber der Diansee). Von meinem Hostel aus sind es einige Kilometer zum See, deshalb habe ich das See-Sightseeing auf morgen vertagt und mir heute die Altstadt angesehen: eine wundervolle Altstadt mit einer Unmenge an Restaurants, Essensständen, Hostels, Hotels, Geschäften, Juweliere ... Perfekt eingerichtet für Touristen. Allerdings auch Baustellen an jeder Ecke. Die Dichte an Geschäften und Baustellen ist hier wirklich gigantisch... Trotzdem haben es die Städteplaner irgendwie hinbekommen, dass alles trotz der zahlreichen Menschen klein, kuschelig, authentisch und nicht überlaufen wirkt. In Kombination mit dem See und den angrenzenden Bergen (die bis zu über 2000m hoch sind) sind die Aussichten und Fotos heute ein Highlight geworden und für mich persönlich ist Dali jetzt schon eine der ansehnlichen und schönsten Städte Chinas (das Wetter war wieder genial und die Luftverschmutzung ist fast 0).

In der Altstadt habe ich mir zuerst die vier Tore angesehen (Nord, Ost, Süd, West) und bin zwischendurch an weiteren Torbögen, Gässchen und Tempeln vorbei gekommen. Sogar eine katholische Kirche habe ich gesehen! 

Das ist ein kleiner Teich/See am Rande der Altstadt. Ich würde vermuten, er wird als Löschteich genutzt. Im Hintergrund sieht man ein paar Berge. 

Natürlich durften die obligatorischen Snacks nicht fehlen: einige mir unbekannte Obstsorten und ein typisches Gericht aus Dali, dessen Namen ich nicht kenne (gleiches gilt für das Obst), habe ich probiert. War alles geschmacklich in Ordnung.

Danach ging es zu einer der Hauptattraktionen Dalis: den drei Pagoden und dem dazugehörigen riesigen Chongsheng Tempel. Bei Betreten der Tempelanlagen vergesse ich immer wieder, wie groß diese sind. Nach den ersten beiden Hallen dachte ich schon, ich wäre am Ende der Anlage. Tatsächlich wurden die Gebäude immer größer und pompöser und nach 7 oder 8 Hallen war ich erst bei der letzten angelangt. Den Hallen an der Seite konnte ich nicht die gebotene Aufmerksamkeit widmen bzw. dafür hatte die Kraft und Konzentration einfach nicht mehr gereicht. Im Hintergrund zu sehen sind die drei Pagoden und der See. 

Morgen geht's zuerst auf den Berg (allerdings aus Zeitgründen nur auf etwa 600 Meter, die gesamte Tour dauert vermutlich 6 Stunden). Danach geht's zum auschecken im Hostel, dann runter zum See und schließlich zum Bahnhof - um 19 Uhr geht der Zug nach Lijiang. 

Eine kurze Anmerkung an dieser Stelle:

Ich finde, es gibt Städte, die sind ideal für Sightseeing - Xi'an, Peking und Suzhou gehören dazu. Dann gibt es wiederum Städte, die nicht meinen Geschmack treffen (z.B. Nanjing und Shanghai). In die neutrale Kategorie fällt Guangzhou. Die letzte Kategorie jedoch ist meine Lieblingskategorie: Städte, in denen ich mir selbst nach kurzer Zeit schon vorstellen könnte, zu leben. Und zu dieser gehören für mich Kunming und Dali. Auch Oslo oder Frankfurt. Vermutlich liegt das an der Kombination aus See/Meer/Fluss, moderner Stadt, Altstadt, Berge/Hügel und Charakteristika wie Geselligkeit, großer Auswahl/Vielfalt und gleichzeitiger Anonymität. Frankfurt fühlt sich für mich daher ebenfalls als Stadt (zum Leben) richtig an. Deshalb genieße ich zum einen die Zeit hier und bin dankbar für jede Minute. Zum anderen dreue ich mich aber auch auf Frankfurt, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Hoffentlich werden die Berge und der See morgen ein Highlight. Morgens früh bei Verlassen des Hostels sollen es noch 0 Grad sein... 

Kunming

Kunming, die Stadt des ewigen Frühlings. 

Ich muss gestehen, ich fühle mich sehr wohl in der Stadt. Das Wetter ist super (15 Grad und Sonne, ich war heute viel im Wald und Schatten, trotzdem scheint mein Gesicht leider etwas rot geworden zu sein). Tee spielt hier eine sehr sehr große Rolle und ich war dazu geneigt, mich mit Teeservicen einzudecken. Obwohl es viele super schöne Geschäfte gibt, habe die Idee dazu mehrfach verworfen, da ich in Dali und Lijiang ohne Tee reisen will bzw. ich Angst habe, dass etwas unterwegs kaputt geht. Schmuck und Essen scheinen hier auch wichtig zu sein. Und Architektur. Die Architektur macht den perfekten Mix aus heruntergekommen und renoviert, alt und modern. Mir gefällts hier. Insbesondere die Altstadt verkörpert den Mix. Es ist nicht ausgefallen, aber einfach schön amzusehen. Dazu beitragen mit Sicherheit auch die vielen verschiedene und immer noch blühende Bäume und Pflanzen. Ein wirklich bunter Mix, wahrhaftig erinnert mich Kunming an eine Mischung aus Frühling, Sommer, Herbst und Winter (wobei Frühling und Herbst dominieren).

Heute habe ich mir also am Vormittag Kunming angesehen und nachmittags ging es zur Wanderung an den Erhai-See: ein riesiger See, auf dem auch große Schiffe fahren. Nach einer guten Stunde ging es dann im Scenic Spot (= man muss Eintritt bezahlen) mit einer Gondel weiter hoch auf den Berg. Oben konnte man auch schön wandern.

Danach ging es mit der nächsten Gondel runter zum Yunnan Nationalitätenpark. Dieser ist riesig. Und alles leider eine einzige Baustelle. Schade. Also ging es am See weiter, vorbei an tausenden von Möwen, die wieder von Touristen mit Brot gefüttert wurden (die Stände, die Brot verkaufen, verdienen wirklich einen Haufen Geld damit!). Die Käfer-Stände waren weniger gefragt. Zum Mittagessen gab es übrigens Aal und typischen Yunnan-Kaffee: sehr geschmackvoll! Allerdings wurden mir zuerst keine Stäbchen gereicht... Nach kurzer Zeit hatte ich den Fehler aber behoben. 

Mit zwei Bussen ging es dann etwa anderthalb Stunden nach Hause. Anbei meine beiden Abendessen von gestern und heute: eine Yunnan-Platte gestern, heute Ziegenkäse aus der Region + HühnchenPfanne (sehr ölig wie immer; wenn ich weniger und wenig fettig essen würde, hätte ich sicher eine super Figur...)

Morgen früh geht es mit dem Zug nach Dali und übermorgen Abend dann nach Lijiang! Ich hoffe die beiden Städte sind ebenso schön und erlebnisreiche wie Kunming. Ich habe viel Gutes über beide gehört... 

Die letzte Reise vor Rückkehr

Gestern war Silvester. Und wie feiert man Silvester in China? Zumindest in Guangzhou gar nicht. Letztes Jahr war das Feuerwerk wohl zu groß oder der Rauch zu krass. Jedenfalls gab es dieses Jahr kein Feuerwerk. Und chinesisches Neujahr ist erst im Februar... Da ich auf der einen Seite nur von Leuten umgeben war, die kein Silvester feiern und ich auf der anderen Seite um halb 6 für den Flug nach Kunming aufstehen musste, bin ich also gegen 23 Uhr ins Bett. Silvester wird's ja die nächsten Jahre noch ein paar Mal geben ;-) Wir haben natürlich trotzdem etwas gefeiert. Zumindest gegessen haben wir wie Weltmeister! 

Heute Morgen ging es also los mit dem Flieger nach Kunming - der Stadt des ewigen Frühlings. Die Temperaturen sind mit 10-15 Grad in Ordnung. Zur groben Einordnung, wo die Yunnan Provinz mit Hauptstadt Kunming liegt: Im Süden grenzt die Provinz an Vietnam, Myanmar und Laos. Im Westen grenzt sie an Tibet und im Osten an Sichuan. Also eine super Lage. Das Essen ist übrigens sehr vielfältig (insbesondere Obst und Teig/Brot) und noch etwas günstiger, als sonst ohnehin schon. Zum Glück habe ich nicht den Vorsatz einer Diät. Sonst würde ich jetzt vermutlich mental leiden...

Zum Programm heute: zunächst war ich an einem See um die Ecke, an dem tausende Menschen und Möwen anzutreffen waren. Möwen? Das nächste offene Gewässer ist ewig weit entfernt. Wie die sich wohl hier her verirrt haben...?! Danach ging es zum Yuantong Tempel. Schön anzusehen und gerade haben die Mönche gebetet. Jetzt wird im Hostel entspannt und die Erkältung auskuriert. Morgen gibt's dann volles Sightseeing-Programm. Tags drauf fahre ich vielleicht spontan über Dali nach Lijiang. Kleine Plan Änderung also. Dali soll sehr schön sein. Die letzte Woche ist angebrochen. Hoffentlich eine sehr schöne! ;-) 

Abschied aus Guilin

Der Tag gestern wurde nach dem verkorksten Start tatsächlich um einiges besser. Nachdem der Trip zu den Reisfeldern leider wegen starken Schneefalls unterwegs abgesagt wurden musste, kam ich also gegen 10 Uhr wieder im Hostel an. Dort traf ich zufällig eine Hostelbewohnerin, mit der ich morgens vor meiner Abfahrt kurz erzählt hatte. Sie war gerade auf dem Sprung und wollte Guilin erkundigen. 2 Leute, ein Ziel. Also gingen wir zusammen los.

Zugegebenermaßen, es war richtig kalt. Gefühlte -6 Grad und eine Mischung aus Regen und leichtem Hagel. Und ich hatte meine Thermounterwäsche in Guangzhou gelassen und keinen Pullover dabei. Mit T-Shirt und Jacke ging es los zu den Sehenswürdigkeiten Guilins. Wegen des Regens und der Kälte war das Sightseeing-Erlebnis allerdings eingeschränkt und wir beschlossen, uns nach einiger Zeit auf Quatschen, Essen und Kaffeetrinken zu fokussieren.

Leider scheine ich jetzt trotzdem verschnupft zu sein... Nach der Rückkehr im Hostel brauchte ich etwa 2 Stunden zum auftauen. Im Hostel war es wenigstens warm...

Gleich geht es mit dem Zug wieder nach Guangzhou. Morgen früh um 6 Uhr zuerst mit der Metro zum Flughafen und dann mit dem Flieger nach Kunming in die Yunnan Provinz. Mein letzter Trip. Ein bisschen Wehmut verspüre ich bereits. Aber zuerst wird Silvester gefeiert. Ich bin gespannt, wie es wird... Vielleicht gibt es ja Chinaböller zu kaufen?! 

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